Sind uns unsere Männer noch gewachsen?

Wir Frauen von heute fühlen uns alle als Powerfrauen. Gebildet, schön, erfolgreich.
Unsere geheimen Vorbilder sind Carrie Bradshaw und Co., die Vorstadtweiber, oder Ikonen wie Coco Chanel und Audrey Hepburn. Wir arbeiten hart und kämpfen für unsere Rechte. Den perfekten Stil finden wir in der VOGUE oder ELLE. Die diversen Schönheitsspezialisten und Gesundheitsgurus, Pilates-Trainer und Chiropraktiker werden hinter vorgehaltener Hand weiterempfohlen.
Gewisse gesellschaftliche Veranstaltungen sind Pflicht – das entsprechende Outfit versteht sich von selbst. Mit ein bisschen Glück findet man sogar eine Firma, die einem die Kleider für diverse Festlichkeiten leiht.
Nicht zu vergessen, die alleinerziehende Mutter, die ihrem Chef gegenüber schon zum dritten Mal beteuert, dass es für sie überhaupt kein Problem ist, mit ihm zur Messe nach Mailand zu fliegen – sie hat den perfekten Babysitter gefunden. Der will natürlich bezahlt werden und schon sind die vielen Überstunden gerechtfertigt und das Gewissen beruhigt. Voila!
Und nein, wir sind natürlich nicht oberflächlich – dafür haben wir zu viele Kurse über Selbstachtung, Mitarbeiterführung und Verkaufsmanagement besucht.
Wir finden in Yoga-Sitzungen zu unserer Mitte (wo haben wir die eigentlich verloren?), arbeiten in Gesprächstherapien unsere Kindheit auf und tänzeln lächelnd durch den Tag – wegen dem Gesetz der Anziehung – you know?
Unsere Kinder werden von Nannies betreut und den Haushalt schupft eine gute Seele aus dem früheren Jugoslawien, bereits in zweiter Generation Österreicherin. Unser Tag hat schließlich auch nur 24 Stunden …
Ein Klischee? Na klar.
Nämlich genau so eines, wie damals in den 50ern.
Das Idealbild der Frau: Hausfrau und Mutter.
Der Mann verdient genug Geld, um die Familie allein zu ernähren. Man besitzt ein Eigenheim mit Garten, die Frau fährt einen kleinen Zweitwagen, mit dem sie die Kinder zu diversen Aktivitäten kutschiert, um anschließend mit gestärkter Schürze in der hochmodernen Einbauküche selbst für alle das Essen zuzubereiten und den Sonntagskuchen zu backen.
Der Job des Mannes in einer aufstrebenden Firma ist außergewöhnlich gut bezahlt. Pünktlich um 18 h kehrt er heim – in Anzug und Krawatte versteht sich – und wird von seiner liebenden Gattin bereits an der Haustür mit seinem Lieblingsdrink empfangen.
Die gesellschaftlichen Regeln waren damals um einiges strenger, boten dafür aber auch eine „scheinbare“ Sicherheit. „Das tut man nicht!“
Wer sich nicht daran hielt, war in allen Bereichen unten durch. Gesellschaftlich, geschäftlich und überhaupt … also tat man heimlich, was man nicht lassen konnte.
Es lebe die heile Welt!
Zwischen diesen beiden Szenarien liegen rund 70 Jahre.
Haben wir es uns verbessert?
Muss man in der heutigen Zeit so emanzipiert sein, um überhaupt (über-)leben zu können?
Und wie soll der Mann an der Seite einer solchen Frau ausschauen?
Wir sind schon in so viele Männerdomänen vorgedrungen, dass nicht mehr viele Bereiche überbleiben, in denen MANN sich profilieren kann.
Oder wollen wir das wirklich, dass unsere Männer die Kindererziehung übernehmen, in Karenz gehen und daheim kochen?
Und abends im Bett tauschen wir dann blitzschnell die Rollen. Schlüpfen in das Kleid des verführerischen, leicht dümmlichen Weibchens und er macht einen auf wilden Hengst (bevorzugt, nachdem er die Kochschürze abgelegt hat) – unser Retter in eiserner Rüstung.
Geht das wirklich so einfach?
Sieht so unser Traummann von heute aus?

 

4 Antworten auf „Sind uns unsere Männer noch gewachsen?“

  1. Du bist Spitze! Spitzen Idee! Einen Blog zu schreiben, habe ich schon oft überlegt. Leider eine Zeitfrage. Ich werde es sicher lesen!Bin schon gespannt auf nächste Texte! Bussi ❤ ? Alexandra

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