Die Geister, die ich rief …

Man findet sie überall  auf der Straße, in den Geschäften, beim Essen im Restaurant, im Wartezimmer des Arztes seines Vertrauens, in der Bim genauso, wie im Zug, ja sogar in den Kinderwägen. Wie eine Heuschreckenplage haben sie uns überfallen und von uns Besitz ergriffen.

Und nein – ich spreche nicht von einer neuerlichen Türkenbelagerung, sondern von den kleinen, smarten Geräten, die scheinbar unbemerkt mit unseren Handflächen verwachsen sind.

Ein Tag ohne Handy? Keine Chance!

Unsere gesamte Tagesplanung und Kommunikation mit der Umwelt würde zusammenbrechen. Dabei kann ich mich noch gut an Zeiten erinnern, wo es noch nicht einmal Mobiltelefone gab, von den heutigen Smartphones ganz zu schweigen!

Allein um eine Überquerung des Stephansplatzes kollisionsfrei und nach Möglichkeit OHNE „selfie stick“ im Auge zu bewerkstelligen, muss man schon wirklich sehr behände und ortskundig sein – zumal die derzeitige Baustelle dort täglich neue Tücken in sich birgt.

Scheinbar unbemerkt haben wir uns daran gewöhnt und es wäre vermessen zu behaupten, dass uns diese kleinen Tausendsassas nicht auch sehr gute Dienste leisten.

Wir können uns in Sekundenschnelle mit Freunden verabreden, auch wenn wir unterwegs sind – Bekannte mittels Fotos davon überzeugen, dass wir noch nicht am Verhungern oder Verdursten sind und jede Location ausfindig machen, in der gerade die Post abgeht. Und – Facebook, WhatsApp und Email sei Dank – wir sind immer und überall erreichbar (von dem einfachen Telefonanruf mal ganz abgesehen).

Diese Tatsache verunsichert mich dann doch etwas …

Früher, zu Zeiten des Festnetzanschlusses, hat man das Telefon einfach nicht abgehoben (kommt von: „den Hörer von der Gabel heben“ ggg), wenn man seine Ruhe haben wollte, und alles war gut. Heute bedarf es sofort einer Rechtfertigung, sollte man nicht innerhalb einer angemessenen Zeitspanne – sprich noch am selben Tag – zurückrufen oder -schreiben. Widrigenfalls wird einem umgehend die Freundschaft gekündigt ob des dieserart zur Schau gestellten Desinteresses.

Fazit ist, wir werden auf Schritt und Tritt überwacht – weitaus lückenloser, als das unseren Eltern jemals gelungen wäre – und noch dazu FREIWILLIG.

Cool, oder?

Die wirklich Leidtragenden dieser Schnelllebigkeit sind meiner Meinung nach wieder Mal die Kinder, die keine Vergleichsmöglichkeit mehr haben. Was wird aus all den Kleinen, die bereits im Kinderwagen beim ersten Muckser sofort mit einem Spiel am Handy ruhiggestellt werden? Oder aus den Jugendlichen, die – einem Zeitungsbericht zufolge – allen Ernstes lieber ein Monat ins Gefängnis gehen würden, als ein Jahr lang auf ihr Smartphone zu verzichten?

Oida?!!

Also ich dreh jetzt mein Handy ab und geh ins Neuwaldegger Bad – warum ich das so erwähne? Ganz einfach: Weil Michael Dolezel sich redlich Mühe gibt, eine richtige Erholungsoase mitten in der Stadt aufrecht zu erhalten, in der man wieder lernen kann, die Stille um sich herum zu ertragen.

Auch eine Herausforderung, oder?

 

 

4 Antworten auf „Die Geister, die ich rief …“

  1. Stille für mich eine absolute Herausforderung! Bin zwar gerne mal für mich aber nie ohne Hintergrundlärm. Mindestens ein Radio oder Fernseher muss laufen… Handy ist auf jeden Fall nicht nur Segen, sondern auch Fluch… Immer erreichbar sein, übt auch einen Druck aus und schlechtes Gewissen, wenn man dann mal doch nicht erreichbar ist.

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