Die Geister, die ich rief …

Man findet sie überall  auf der Straße, in den Geschäften, beim Essen im Restaurant, im Wartezimmer des Arztes seines Vertrauens, in der Bim genauso, wie im Zug, ja sogar in den Kinderwägen. Wie eine Heuschreckenplage haben sie uns überfallen und von uns Besitz ergriffen.

Und nein – ich spreche nicht von einer neuerlichen Türkenbelagerung, sondern von den kleinen, smarten Geräten, die scheinbar unbemerkt mit unseren Handflächen verwachsen sind.

Ein Tag ohne Handy? Keine Chance!

Unsere gesamte Tagesplanung und Kommunikation mit der Umwelt würde zusammenbrechen. Dabei kann ich mich noch gut an Zeiten erinnern, wo es noch nicht einmal Mobiltelefone gab, von den heutigen Smartphones ganz zu schweigen!

Allein um eine Überquerung des Stephansplatzes kollisionsfrei und nach Möglichkeit OHNE „selfie stick“ im Auge zu bewerkstelligen, muss man schon wirklich sehr behände und ortskundig sein – zumal die derzeitige Baustelle dort täglich neue Tücken in sich birgt.

Scheinbar unbemerkt haben wir uns daran gewöhnt und es wäre vermessen zu behaupten, dass uns diese kleinen Tausendsassas nicht auch sehr gute Dienste leisten.

Wir können uns in Sekundenschnelle mit Freunden verabreden, auch wenn wir unterwegs sind – Bekannte mittels Fotos davon überzeugen, dass wir noch nicht am Verhungern oder Verdursten sind und jede Location ausfindig machen, in der gerade die Post abgeht. Und – Facebook, WhatsApp und Email sei Dank – wir sind immer und überall erreichbar (von dem einfachen Telefonanruf mal ganz abgesehen).

Diese Tatsache verunsichert mich dann doch etwas …

Früher, zu Zeiten des Festnetzanschlusses, hat man das Telefon einfach nicht abgehoben (kommt von: „den Hörer von der Gabel heben“ ggg), wenn man seine Ruhe haben wollte, und alles war gut. Heute bedarf es sofort einer Rechtfertigung, sollte man nicht innerhalb einer angemessenen Zeitspanne – sprich noch am selben Tag – zurückrufen oder -schreiben. Widrigenfalls wird einem umgehend die Freundschaft gekündigt ob des dieserart zur Schau gestellten Desinteresses.

Fazit ist, wir werden auf Schritt und Tritt überwacht – weitaus lückenloser, als das unseren Eltern jemals gelungen wäre – und noch dazu FREIWILLIG.

Cool, oder?

Die wirklich Leidtragenden dieser Schnelllebigkeit sind meiner Meinung nach wieder Mal die Kinder, die keine Vergleichsmöglichkeit mehr haben. Was wird aus all den Kleinen, die bereits im Kinderwagen beim ersten Muckser sofort mit einem Spiel am Handy ruhiggestellt werden? Oder aus den Jugendlichen, die – einem Zeitungsbericht zufolge – allen Ernstes lieber ein Monat ins Gefängnis gehen würden, als ein Jahr lang auf ihr Smartphone zu verzichten?

Oida?!!

Also ich dreh jetzt mein Handy ab und geh ins Neuwaldegger Bad – warum ich das so erwähne? Ganz einfach: Weil Michael Dolezel sich redlich Mühe gibt, eine richtige Erholungsoase mitten in der Stadt aufrecht zu erhalten, in der man wieder lernen kann, die Stille um sich herum zu ertragen.

Auch eine Herausforderung, oder?

 

 

FACEBOOK – des einen Freud, des anderen Leid

Je nach Tagesverfassung hassen oder lieben wir es – Facebook, unsere virtuelle Welt, in der jeder das sein kann, was er gerne wäre. Erfolgreich, schön, cool, unabhängig – die Liste lässt sich endlos fortsetzen.

Wir haben einen immens großen Freundeskreis, den wir im wirklichen Leben gar nicht pflegen könnten, entscheiden in Sekundenschnelle, was uns gefällt oder auch nicht, und bilden uns im selben Tempo ein Urteil über Menschen, die wir eigentlich gar nicht kennen.

Man kann diese Plattform natürlich auf verschiedene Arten nutzen:

Als Gratiswerbefläche fürs eigene Geschäft (nur bedingt wirksam, da aus Erfahrung Postings dieser Art beim zweiten Mal schon nicht mehr gelesen werden) –

Um längst verschollene Freunde aufzuspüren (auch vergebene Liebesmüh, denn es gibt immer einen Grund, warum uns diese Freunde verloren gegangen sind) –

Oder um bekannt zu werden – ganz nach dem Motto „Schau was für ein tolles Leben ich führe“ werden Fotos von Partys, Bällen und Events gepostet, deren Besuch sich auf Dauer kein Normalsterblicher leisten kann (ein schönes Märchen, denn jeder, der einmal auf so einem Event war, weiß, dass sich Promis meistens gerne mit dir fotografieren lassen. Danach kannst du eigentlich gleich wieder verschwinden, um am nächsten Morgen brav deinem Brotberuf nachzugehen. Dein Foto erscheint auf Facebook, doch berühmt wirst du dadurch auch nicht).

Besonders lustig finde ich es, wenn du bei einer Veranstaltung mit etwa der Hälfte der Gäste auf Facebook befreundet bist, dich jeder freundlich grüßt, aber in Wirklichkeit keiner genau weiß, wer du bist. Heißt es deshalb vielleicht „Gesichtsbuch“?

Die, meiner Meinung nach, gefährlichste Variante ist es, Facebook als Partnerbörse zu benutzen. Vielen Paare hat das lockere Geplänkel mit anderen binnen kürzester Zeit das Beziehungs-Aus beschert.

Siehe Karin und Klaus – ein glückliches Paar, das fleißig Fotos seiner heilen Welt postet, und daneben Eva – ihres Zeichens Single und gänzlich unzufrieden mit ihrer derzeitigen Lebenssituation. Was passiert?

Eva schickt Karin UND Klaus eine Freundschaftsanfrage. Wird diese angenommen, beginnt sie ganz harmlos mit Klaus zu chatten. Dieser fühlt sich in seinem Ego als Mann bestärkt und lässt sich darauf ein. Die Unterhaltungen werden intensiver und immer häufiger, bis Eva aus seinem Tagesablauf gar nicht mehr wegzudenken ist. Oft kann man mit einem fremden Menschen persönliche Dinge besser besprechen, als mit dem eigenen Partner. Nun ist es für Klaus bereits unmöglich geworden, Karin von diesen Chats zu erzählen – ergo hintergeht er sie bereits. Er spricht mit einer anderen Frau über seine Beziehung und nicht selten kommt es dann zum ersten (geheimen) Treffen. Spätestens hier müsste Klaus die Handbremse ziehen und Karin alles beichten, sonst geht diese Beziehung unweigerlich den Bach runter.

Oder Daniel, der über das Glück mit seiner neuen Liebe Claudia postet, und damit Exfrau Martina auf den Plan ruft. Diese kontaktiert ihn über WhatsApp und es entwickelt sich ein reger Austausch – über Wochen hinweg. Als Martina endlich merkt, dass sie bei ihm dennoch keine Chancen mehr hat, kopiert sie den kompletten Chatverlauf (merkt euch, Frauen speichern solche Nachrichten IMMER ab!) und postet ihn auf dem Facebook-Profil von Claudia! Uuuuuupps – die Folgen brauch ich nicht zu erwähnen …

Doch wo bitte sind die Grenzen? Ab wann wird ein harmloses „Wie geht es dir heute?“ zum verhängnisvollen Flirt? Gibt es so etwas wie eine Facebook-Etikette?

Vielleicht sollte man ein Buch darüber schreiben – „Benimmregeln auf Facebook – seine Vorteile und Gefahren“!

Der neue Bestseller?

Kasperl oder Harlekin – was darf’s denn heuer sein?

Endlich ist sie voll im Gange, die verrückteste Zeit des Jahres – Fasching – und wie alle Jahre wieder stehe ich vor der weltbewegenden Frage: Welches Kostüm darf’s denn heuer sein?

Der Brauch des Verkleidens geht auf das 13. Jahrhundert zurück und hat den Zweck, durch Masken die bösen Geister des Winters zu vertreiben und durch Feiern noch schnell die Fleischvorräte aufzubrauchen, bevor die 40-tägige Fastenzeit beginnt.

Ich persönlich bevorzuge ja den Carnevale in Venedig. Da kann man, je nach Lust und Laune, als geheimnisvolle Colombina durch die verschwiegenen Calle huschen, oder versteckt unter der Bautta diversen Schabernack treiben. Überhaupt haben sich die Venezianer in ihrer Blütezeit – also zu Lebzeiten Giacomo Casanovas – bis zu 8 Monate im Jahr maskiert. Sehr zum Missfallen der Obrigkeit, die einen Verfall der guten Sitten befürchtete. Tja …

Generell teilt sich mit Beginn des neuen Jahres die Partycommunity in zwei Hauptlager: In diejenigen, die sich aus Prinzip sicher NICHT verkleiden, und jene, die dies mit voller Begeisterung praktizieren und schon Wochen im Vorhinein Kostümverleihe, Faschingsgeschäfte und Online-Shops unsicher machen.

So weit, so gut – aber was sagt so ein Faschingskostüm eigentlich über den Charakter seines Trägers aus?

Die „Verweigerer“ werden oft als spaßresistente Ignoranten verspottet, die keinen Mut haben, über sich selbst zu lachen.

Aber stimmt es, dass Prinzessin, Häschen und Kätzchen sich im Alltagsleben überfordert fühlen und mehr wohlwollende Aufmerksamkeit brauchen?

Oder dass das ausladende Dekolleté bei einer Polizeiuniform darauf hindeutet, dass deren Trägerin partout ihren Marktwert noch einmal feststellen will?

Auch wird behauptet, der Träger von witzigen Ganzkörperkostümen wie Bierflasche, Glücksschweinchen oder Fat-Suit sei ein langweiliger Bürohengst, über dessen Witze nie jemand lacht.

Aber was soll ich dann von einer mir bekannten Geschäftsfrau halten, die nun schon das vierte Jahr in Folge als hässliche Alte mit Buckel, Stock und Warze auf der Nase auftaucht?

Wie dem auch sei – als Chef könnte ich es mir ganz witzig vorstellen, mich bis zur Unkenntlichkeit maskiert unter meine Angestellten zu mischen. Ein „Aha-Erlebnis“ wäre da vorprogrammiert.

Ich weiß die Lösung – ich lass meinen Mann unsere Kostüme aussuchen! Grazie …

 

 

Das Wiener Mädl – ein Mythos?

Wer kennt es nicht, das Klischee vom süßen Vorstadtmädl oder dem kapriziösen Komtesserl? Vornehmlich aus den alten Schwarz-Weiß-Filmen mit Hans Moser und Theo Lingen, dargestellt von Hannerl Matz oder Romy Schneider. Oder etwas theatralischer behandelt bei Johann Nestroy und Arthur Schnitzler. Besonders bei Letzterem spiegelt sich die Dramatik der Stellung der Frau im vorigen Jahrhundert eindrücklich wider.

Aber gibt es sie wirklich noch – die echten Wiener Mädl?

Und ob – man muss nur ein bisserl genauer schauen.

Es sind diejenigen, die am Graben und der Kärntner Straße eilig zwischen den Touristen durchtänzeln – je nach Tageslaune auf High-Heels oder in Ballerinas, selten jedoch dem Wetter angepasst, denn sie bewegen sich ja in ihrem Vorzimmer. Sie umgehen die Russen, die mit Vorliebe zu sechst in einer Reihe unterwegs sind, ducken sich unter den Selfie-Sticks der Japaner, die immer dann wie ein Schwert in die Luft gestoßen werden, wenn man’s am wenigsten erwartet (das kann einem übrigens auch in Verona passieren) und ziehen im Vorbeigehen den jungen Burschen von der Straße, der in sein Handy vertieft bei der Sacher-Kreuzung beinahe in ein Auto gelaufen wäre.

Ja, sie sind gut erzogen und sprechen neben diversen Fremdsprachen – Lycee francais de Vienne, Sacré Coeur und Schottengymnasium sei Dank – ein gepflegtes Wienerisch. So trifft man sich „auf ein Schalerl Kaffee“ oder ein „Glaserl Prosecco“ beim Demel, Sacher oder im Landtmann – nicht, weil diese Lokale so berühmt sind, sondern weil sie schon als kleines Mädchen mit der Großmama dort verkehrten und sich der Herr Karl immer so liebenswürdig um einen kümmert.

Drei Bälle pro Saison sind Pflicht, schließlich wurden sie schon in jungen Jahren in die Tanzschule geschickt – vorzugsweise zum Elmayer, Wagner oder Rueff – und jetzt ehrlich, gibt’s was Schöneres, als zu Walzerklängen durch die Hofburg zu schweben?

Generell sind sie sehr charmant und herzlich, doch versuche nie, sie von der Seite blöd anzureden – da kann’s schon passieren, dass ihnen aus Versehen der Stöckelschuh auskommt. Uuuupps! Das tut mir aber leid …

Öffentliche Verkehrsmittel wie U-Bahn und Bim sind verpönt. Einzige Ausnahme bilden die Innenstadtbusse 1A, 2A und 3A. Im Bedarfsfall wird sie dem jungen Mann mit leicht hochgezogener Augenbraue zu verstehen geben, dass sie die Fahrt lieber im Sitzen verbringen würde – funktioniert immer. Ansonsten kann man das Stückerl ja auch zu Fuß gehen.

Für weitere Strecken nimmt man das Taxi, bestellt einen Wagen über UBER oder reserviert vielbesagtes CAR-TO-GO, dessen Benutzung oftmals zu einer abenteuerlichen Tour durch Wien ausartet.

Geheiratet wird aus Liebe und warum auch nicht? Dank ihrer Erziehung verkehren sie ja sowieso nur in den Kreisen, wo der Ehemann die Finanzierung ihres Lebensstils nahtlos vom Schwiegervater übernimmt – das Angeln eines reichen Mannes überlassen sie den Russinnen. Weil sie es sich wert sind, compris?

Alles wieder nur ein Klischee?

Mag sein, doch sollte euch je eines dieser selten gewordenen Wesen über den Weg laufen, so streut ihm Feenstaub und ihr werdet mit einem Zauber belohnt.

Wiener Mädl sind die weißen Einhörner unserer Zeit – ich schwör’s!

 

RAUCHEN VERBOTEN! – Sapperlot …

Klar wissen wir alle, dass Rauchen schädlich ist – keine Frage – und das wird auch nie jemand bezweifeln. Genau so wie Alkohol, fettes Essen und Süßigkeiten, oder?

Vor Kurzem hat mir eine praktische Ärztin erzählt, dass sich eine ihrer Patientinnen das Rauchen abgewöhnt und prompt 20 kg zugenommen hat. „Ehrlich gesagt wär’s mir lieber, sie würde wieder rauchen. Da hatte sie gesundheitlich weniger Probleme!“ – Natürlich ohne deren Namen zu nennen, aber Tatsache!

Ich kann mich an Zeiten erinnern, da wurde in Österreich (fast) überall geraucht – beim Notar, beim Arzt, am Bahnhof und am Flughafen, in öffentlichen Gebäuden, Boutiquen und den Gastronomiebetrieben sowieso. Sogar in den Zügen und Flugzeugen gab es eigene Raucherbereiche.

Bei unserem Hausarzt (einem begnadeten Diagnostiker) stand am Schreibtisch ein übervoller Aschenbecher und während der Visite zündete er sich mit einer Zigarette die nächste an. Oder wenn meine Mutter die gekürzte Hose von der Schneiderei brachte, hatte man den Zigarettenrauch noch Tage lang in der Nase.

Heute unvorstellbar und das ist auch gut so, doch damals hat sich einfach niemand etwas dabei gedacht!

Nur macht es Sinn, uns das Rauchen in der Öffentlichkeit gänzlich zu verbieten?

Ab 16 ist man alt genug, eine Regierung für unser Land zu wählen – doch was das Rauchen anbelangt, wird man selbst mit 60 noch gemaßregelt wie ein Schulkind.

Unsere gute Erziehung hat uns schon früher dazu angehalten, in gewissen Situationen einfach auf den Glimmstängel zu verzichten – beim Essen im Restaurant beispielsweise, neben Kindern, oder wie meine Mutter zu sagen pflegte: „Eine Dame raucht nicht auf der Straße!“.

Tja, liebe Mama, heutzutage darf selbst eine Dame NUR mehr auf der Straße rauchen (oder in 4×4 m großen Glasboxen am Flughafen – zusammengepfercht mit 20 Fremden – wie an den Pranger gestellt).

Wir lassen das alles geduldig über uns ergehen – wir sind die Bösen – die Zigarettenpreise steigen ins Unermessliche, die schön designten Päckchen werden durch Horrorbilder verunstaltet und deren Besitzer – im besten Falle – nur mit bösen Blicken gestraft.

Wir zahlen horrende Preise für Ballkarten, um dann im wunderschönen Abendkleid, mit der Zigarette in der Hand, frierend vor der Hofburg zu stehen. Raucher sterben heutzutage eher an Lungenentzündung.

Und das ist keine Diskriminierung in einem freien Land?

Also, lieber Staat Österreich, wenn du schon so leichtfertig auf die Milliarden-Einnahmen aus der Tabak-Industrie verzichten möchtest, dann lass wenigsten unsere Wirte in Ruh! Sie sollen selbst entscheiden, ob sie einen Raucherbereich in ihrem Lokal haben wollen, oder nicht. Das unternehmerische Risiko für diese Entscheidung wird der Wirt mit Freuden gerne selbst tragen!

„Mit dem Rauchen aufzuhören ist kinderleicht. Ich habe es schon hundertmal geschafft.“

MARK TWAIN

Eifersucht – Salz oder Gift?

Es ist ja – ausnahmsweise – nicht so, dass die Eifersucht ein durch unsere heutige, emanzipierte Lebenseinstellung verursachtes Problem wäre. Im Gegenteil – dieses Phänomen kannten schon unsere Urgroßeltern, William Shakespeare beschäftigte sich in Othello ausführlich damit und jeder von uns hat es schon einmal erlebt – in welcher Form auch immer.

Ist es nicht verwunderlich, dass wir, mit all den uns heute zur Verfügung stehenden Mitteln, immer noch keine wirkliche Lösung für diesen „Beziehungskiller“ gefunden haben?

Wir alle kennen Sätze wie: „Ein bisschen Eifersucht gehört zu jeder Beziehung, wie das Salz in der Suppe.“

Stimmt das wirklich? Ist Eifersucht ein Zeichen von Liebe?

Oder: „Ich hab‘ doch nur ein bisschen geflirtet, da ist doch nichts dabei, muss er deshalb gleich ausrasten?“

Muss man den Partner provozieren, um eine Bestätigung seiner Liebe zu erhalten?

Der Umgang damit erinnert oft an das Prinzip von Angebot und Nachfrage.

Der eine ist verunsichert, ob er gut genug ist, den Partner halten zu können, und beäugt misstrauisch die Konkurrenz.

Der andere holt sich seine Bestätigung durch zügelloses Herumflirten und um festzustellen, wie hoch sein Marktwert in der „freien Wildbahn“ noch ist. Sollte das Ergebnis nicht so prickelnd ausfallen, bleibt immer noch die Reaktion des eifersüchtigen Partners, um das eigene Ego in Sekundenschnelle nach oben katapultieren zu lassen und – PENG! – man fühlt sich wieder super.

Ein spannendes Spiel, nur wo beginnt’s und wo hört’s auf?

Im Idealfall sind in einer Beziehung beide Partner gleich stark. Das wäre die Theorie.

In der Praxis wechseln sich die Phasen ständig ab – mal ist der eine oben, mal der andere.

Nur was passiert, wenn du dich gerade hässlich und zu dick fühlst, beruflich unzufrieden bist oder finanzielle Probleme hast und plötzlich feststellst, dass dein Partner fröhlich mit anderen chattet, sich deine Partnerin mit einem „Schulfreund“ zum Kaffee trinken trifft, oder seine/ihre Beiträge auf facebook IMMER von einer bestimmten Person als erstes geliked werden?

Dann beginnt eine Abwärtsspirale, die nur mehr schwer (oder gar nicht?) zu stoppen ist.

Eine an sich harmlose Situation kann der Auslöser dafür sein und das Vertrauen beginnt zu bröckeln.

Bei jeder Feier beobachtet sie ihn mit Argusaugen und wehe, er lacht einmal zu laut über den uralten Witz, den die Blondine da zum Besten gibt, dann kann er sich schon auf die gemeinsame Heimfahrt freuen. (Wer hat denn schon bei Kleidergröße 34 eine Körbchengröße D? Der Busen kann nur falsch sein!)

Oder er schleicht sich nachts heimlich aus dem Bett, um ihr Handy zu kontrollieren – streitet es am nächsten Morgen natürlich ab, nur um sie zwei Stunden später doch wegen der gelesenen Whatsapp-Nachricht zur Rede zu stellen. (Die glaubt echt, ich bin blöd und check nicht, was da läuft!)

Danach die tränenreiche Reue und das Versprechen, es nie wieder zu tun. (Was? Das Vergehen, oder die eifersüchtige Reaktion darauf? Egal, dieses Versprechen wird sowie in einer Woche wieder gebrochen.)

Ein Teufelskreis.

Aus Angst vor einer neuerlichen Konfrontation beginnt der „überwachte“ Partner damit, gewisse Dinge wirklich zu verheimlichen, was wiederum zum Misstrauen beim anderen führt und in Folge zur Überzeugung, dass seine Eifersucht ja doch berechtigt ist. HA!

Dass sich nach und nach der Freundeskreis dieses Paares exorbitant verkleinert (wer will schon gerne der Auslöser einer Eifersuchtsszene coram publico werden) ist hier noch das geringere Übel. Wenn solche Szenen in grausamen Familientragödien enden, ist Schluss mit lustig.

Jeder kennt das Problem – doch wer kennt die Lösung?

Sind uns unsere Männer noch gewachsen?

Wir Frauen von heute fühlen uns alle als Powerfrauen. Gebildet, schön, erfolgreich.
Unsere geheimen Vorbilder sind Carrie Bradshaw und Co., die Vorstadtweiber, oder Ikonen wie Coco Chanel und Audrey Hepburn. Wir arbeiten hart und kämpfen für unsere Rechte. Den perfekten Stil finden wir in der VOGUE oder ELLE. Die diversen Schönheitsspezialisten und Gesundheitsgurus, Pilates-Trainer und Chiropraktiker werden hinter vorgehaltener Hand weiterempfohlen.
Gewisse gesellschaftliche Veranstaltungen sind Pflicht – das entsprechende Outfit versteht sich von selbst. Mit ein bisschen Glück findet man sogar eine Firma, die einem die Kleider für diverse Festlichkeiten leiht.
Nicht zu vergessen, die alleinerziehende Mutter, die ihrem Chef gegenüber schon zum dritten Mal beteuert, dass es für sie überhaupt kein Problem ist, mit ihm zur Messe nach Mailand zu fliegen – sie hat den perfekten Babysitter gefunden. Der will natürlich bezahlt werden und schon sind die vielen Überstunden gerechtfertigt und das Gewissen beruhigt. Voila!
Und nein, wir sind natürlich nicht oberflächlich – dafür haben wir zu viele Kurse über Selbstachtung, Mitarbeiterführung und Verkaufsmanagement besucht.
Wir finden in Yoga-Sitzungen zu unserer Mitte (wo haben wir die eigentlich verloren?), arbeiten in Gesprächstherapien unsere Kindheit auf und tänzeln lächelnd durch den Tag – wegen dem Gesetz der Anziehung – you know?
Unsere Kinder werden von Nannies betreut und den Haushalt schupft eine gute Seele aus dem früheren Jugoslawien, bereits in zweiter Generation Österreicherin. Unser Tag hat schließlich auch nur 24 Stunden …
Ein Klischee? Na klar.
Nämlich genau so eines, wie damals in den 50ern.
Das Idealbild der Frau: Hausfrau und Mutter.
Der Mann verdient genug Geld, um die Familie allein zu ernähren. Man besitzt ein Eigenheim mit Garten, die Frau fährt einen kleinen Zweitwagen, mit dem sie die Kinder zu diversen Aktivitäten kutschiert, um anschließend mit gestärkter Schürze in der hochmodernen Einbauküche selbst für alle das Essen zuzubereiten und den Sonntagskuchen zu backen.
Der Job des Mannes in einer aufstrebenden Firma ist außergewöhnlich gut bezahlt. Pünktlich um 18 h kehrt er heim – in Anzug und Krawatte versteht sich – und wird von seiner liebenden Gattin bereits an der Haustür mit seinem Lieblingsdrink empfangen.
Die gesellschaftlichen Regeln waren damals um einiges strenger, boten dafür aber auch eine „scheinbare“ Sicherheit. „Das tut man nicht!“
Wer sich nicht daran hielt, war in allen Bereichen unten durch. Gesellschaftlich, geschäftlich und überhaupt … also tat man heimlich, was man nicht lassen konnte.
Es lebe die heile Welt!
Zwischen diesen beiden Szenarien liegen rund 70 Jahre.
Haben wir es uns verbessert?
Muss man in der heutigen Zeit so emanzipiert sein, um überhaupt (über-)leben zu können?
Und wie soll der Mann an der Seite einer solchen Frau ausschauen?
Wir sind schon in so viele Männerdomänen vorgedrungen, dass nicht mehr viele Bereiche überbleiben, in denen MANN sich profilieren kann.
Oder wollen wir das wirklich, dass unsere Männer die Kindererziehung übernehmen, in Karenz gehen und daheim kochen?
Und abends im Bett tauschen wir dann blitzschnell die Rollen. Schlüpfen in das Kleid des verführerischen, leicht dümmlichen Weibchens und er macht einen auf wilden Hengst (bevorzugt, nachdem er die Kochschürze abgelegt hat) – unser Retter in eiserner Rüstung.
Geht das wirklich so einfach?
Sieht so unser Traummann von heute aus?